Offen
Wir sind offen! Sind wir offen?
Jedes Jahr widmen wir uns im WUK einem Thema, das uns über das Jahr hinweg begleitet. 2024 lautet das Thema „Offenheit“, passend zum Abschluss der Sanierung und der (Wieder-) Öffnung des Hauses in der Währinger Straße. Ebenso haben wir uns gefragt, wie offen wir als Kulturinstitution sind? Wo passieren Ausschlüsse? Und wie offen ist die Gesellschaft, in der wir leben? Wir haben Künstler*innen, Kulturarbeiter*innen und Aktivist*innen gebeten, über das Thema Offenheit nachzudenken.
Offen für Selbstbefragung
Dilan Sengül, Büroleitung von D—Arts, Projektbüro für Diversität, fragt in ihrem Beitrag „Das Recht auf Teilhabe an Kunst und Kultur“, welche Rolle Kunst- und Kulturinstitutionen zukommt. Wen repräsentieren sie? Welche Themen und welche Zugänge werden verhandelt und bekommen sowohl Raum als auch Aufmerksamkeit? Wer darf, ja wer kann einen Raum betreten und welche (unausgesprochenen) Codes gelten darin? Es gehe bei der Frage nach Offenheit also zunächst darum, sichtbare und unsichtbare Barrieren zu benennen, wie Dilan Sengül weiter ausführt. Die sichtbaren Barrieren im WUK sind dank Sanierung, 44 m Rampen und zwei neuer Liftanlagen kleiner geworden – doch wie verhält es sich mit unsichtbaren Barrieren?
Offen für Teilhabe
Unsichtbare Barrieren entstehen beispielsweise, wenn junge Menschen keinen Zugang und Kontakt zu Kunst und Kultur erhalten, zumeist aus sozioökonomischen Gründen. Um den entgegenzuwirken und allen Besucher*innen ein ganzheitliches Theatererlebnis zu bieten, bietet die WUK KinderKultur zu ausgewählten Theaterproduktionen begleitende Workshops an, die dem jungen Publikum nicht nur die Möglichkeit bieten das Gesehene zu reflektieren, sondern auch verdeutlichen, wie die verhandelten Themen mit ihrer jeweils individuellen Lebensrealität in Verbindung stehen. Entscheidend ist die Teilhabe, die die jungen Menschen erfahren, die dazu beiträgt das “Verständnis und die Wertschätzung für Kunst nachhaltig [zu] fördern. Damit solche Projekte für alle zugänglich sind, bedarf es einer nachhaltigen Finanzierung ohne großen bürokratischen Aufwand,“ bringt es eine Volksschullehrerin in Wien, die anonym bleiben möchte, in ihrem Artikel „Die Schule als Brücke zu Kunst und Kultur“ auf den Punkt.
Offen für Safer Spaces
Um unsichtbaren Barrieren entgegen zu wirken, können auch klar formulierte Einladungspolitiken dabei helfen, Orientierung zu bieten und Safer Spaces zu schaffen. Einen Safer Space zu kreieren bedeutet wahr und ernst zu nehmen, dass jede Person unterschiedliche Diskriminierungsformen erleben kann, und dass Veranstaltende möglichen Ausschlüssen entgegentreten und achtsam für diese sind. Je klarer bei Veranstaltungen formuliert wird, an wen sie sich richten, also „kann das Menschen Sicherheit vermitteln, sich in Räume zu trauen beziehungsweise ihnen eine Idee davon geben, ob sie in diesen Räumen erwünscht sind oder nicht,“ wie Verena Kettner es in ihrem Beitrag „Gemeinsam Sicherheit schaffen“ formuliert.
Offen für alle Stimmen
Als Kulturinstitution kommt dem WUK auch die Aufgabe zu, Raum für Diskurs und demokratische Verhandlungen zur Verfügung zu stellen. So hat beispielweise dieses Jahr erneut die „Pass Egal Wahl“ in Kooperation mit SOS Mitmensch im WUK stattgefunden. Sie bietet jeder Person, die in Österreich lebt, die symbolische Möglichkeit, an einer Wahl teilzunehmen und „damit zugleich alle Menschen, die hier leben, für unsere Demokratie“ zu öffnen, wie Alexander Pollak, SOS Mitmensch, das übergeordnete Ziel der Initiative beschreibt.
Sind wir offen?
Offenheit ist ein Prozess. Auch weiterhin wird sich das WUK den sichtbaren und unsichtbaren Barrieren stellen, die wir (re)produzieren, im kommenden Jahr mit dem Schwerpunktthema „Demokratie“.